Die Wild - Hotspot der Artenvielfalt

© Doris Walter

Viele Menschen werden „Die Wild“ wohl nicht kennen. Am ehesten ist sie noch unter Schwammerlsuchern ein Begriff. Immer wieder hört man die Aussage: „Das ist doch nur ein Fichtenstangenwald. Monokulturen sind ja nicht schützenswert.“ Wegen ihrer großen Artenvielfalt gilt sie aber als Geheimtipp unter Biologen. Ein Plädoyer für den Artenschutz.

Die Wild ist ein Großwaldgebiet, das an der Waldviertler Bundesstraße zwischen den Ortschaften Göpfritz, Blumau und Dietmannsdorf liegt. Der Truppenübungsplatz Allentsteig grenzt unmittelbar im Süden an. Mit diesem besteht daher ein naturräumlicher Zusammenhang.

Reiche Natur

Einerseits wird die Wild von nicht standortgerechten Fichtenmonokulturen, andererseits von Schwarzerlenbruchwäldern, Birkensukzessionen, Mooren, wassergefüllten Bombentrichtern und Pfeifengraswiesen geprägt. Schwarzerlenbruchwälder sind vom Aussterben bedroht, da sie nur unter besonderen Standortbedingungen vorkommen. Sie benötigen anstehendes, nur wenig schwankendes Grundwasser. Die Erlenbruchwälder der Wild sind unbedingt zu erhalten, meint der Naturschutzexperte Univ.-Prof. Mag. Dr. Georg Grabherr. Die Feuchtwiesen der Region sind außerordentlich blütenreich. Zum Glück werden manche noch traditionell gepflegt, auch der Naturschutzbund NÖ führt standortgerechte Pflegemaßnahmen durch. Bislang schützen aber lediglich zwei Naturdenkmäler, „Blumau an der Wild“ (Enzianwiese) und „Ellendser Moor“, die Naturschätze der Wild. Das ausgedehnte Waldgebiet stellt einen wichtigen Wildtierkorridor dar. Nicht nur Luchse, sondern auch die Wildkatze könnten , neben anderen Säugetierarten, hier angetroffen werden.2 Durch die Großflächigkeit des Waldes sowie der umgebenden Wiesen und Äcker, gibt es keine künstlichen Lichtquellen. Dadurch besteht die – mittlerweile leider seltene – Möglichkeit, den Sternenhimmel und sogar die Milchstraße zu bewundern.

Wertvoller Wasserspeicher

Der geologische Untergrund der Wild wird überwiegend von Granuliten und Gneisen geprägt. Die Verwitterungsdecke ist relativ mächtig und lässt nur eine geringe Bodenbildung zu. Hydrographisch ist das Waldgebiet wegen der höheren Niederschläge inselartig von der Umgebung abgesetzt.3 Die Wild ist sehr wasserreich und speichert Wasser, zahlreiche Bäche entspringen hier.

Große Artenvielfalt

Aus der Wild ist das Vorkommen von ca. 90 Vogelarten bekannt. Besonders erwähnenswert sind Seeadler, Fischadler, Schwarzstorch, Uhu, Ziegenmelker, Flussregenpfeifer, Grauammer, Wachtelkönig, Haselhuhn, Birkhuhn, Waldschnepfe und Sperlingskauz. Einmal konnte ich sogar einen Dreizehenspecht beobachten. An Amphibien und Reptilien treten Europäischer Laubfrosch, Springfrosch, Grasfrosch, Moorfrosch, Erdkröte, Wechselkröte, Gelbbauchunke, Bergmolch, Teichmolch, Bergeidechse und Ringelnatter auf. Unter den hier bekannten Schmetterlingen sind Großer Feuerfalter, Labkrautschwärmer, Wegerichbär und Kamel-Zahnspinner zu erwähnen. 28 Heuschreckenarten wurden bisher in der Wild nachgewiesen. Der Edelkrebs oder Europäische Flusskrebs, dessen Bestands-, Areal- und Habitatentwicklung negativ ist, hat in der Wild reproduzierende, gesunde Bestände. Es gibt einige empfindliche Schneckenarten, deren Vorkommen auf eine geringe Umweltbelastung und gute Wasserqualität hinweisen.

Die Feuchtwiesen und feuchten Wälder beherbergen zahlreiche Pflanzenarten, beispielhaft werden erwähnt: Sumpf-Hornklee, Wasserstern, Herzblatt, Rosmarin-Kriechweide, Lorbeerweide, Sumpf-Schafgarbe, Schmalblatt-Wollgras, Scheiden-Wollgras, Frühlings-Knotenblume, Fieberklee, Eigentliches Sumpfvergißmeinnicht, Birngrün, Sumpf-Quendel, Trollblume, Echt-Färberscharte, Lungenenzian, Glanz-Wiesenraute und Sibirische Schwertlilie. Ebenfalls vertreten sind Orchideen wie Sumpf-Stendelwurz, Breitblättrige Stendelwurz, Breitblättrige Fingerwurz, Großes Zweiblatt, Grüne und Weiße Waldhyazinthe.

Ein Wald zum Verweilen

Die Wild erschließt sich nicht dem einmaligen Besucher. Auch nicht dem, der sie nur oberflächlich betrachtet. Wer aber Zeit und Muße für seine Ausflüge in die Wild mitbringt, wird von der Mannigfaltigkeit des Waldes überrascht sein. In den letzten Jahrzehnten gab es manche Pläne für die wirtschaftliche Nutzung der Wild, die glücklicherweise nicht verwirklicht worden sind. Heute ist die Wild erneut in Gefahr – diesmal durch die geplante Errichtung von Windkraftanlagen. Es bleibt zu hoffen, dass auch diese Gefährdung des bemerkenswerten Waldgebietes abgewendet werden kann.

1 GRABHERR, G., Das floristische Sondergut der Wild. Projektstudie der Abteilung für Vegetationsökologie und Naturschutzforschung. 1994/95: 81 Seiten + Anhänge.
2 Plan SUP NÖ SekROP Windkraftnutzung, Waldflächen und Wildtierkorridore, Blatt 1, Planstand 18.11.2013, Planverfasser Knollconsult Umweltplanung ZT GmbH.
3 STEPHAN, E., Das Waldviertel. Bd. 1. Naturwissenschaftliches. Verlag Deutsches Vaterland, Wien, 1925. (zit. in Reischütz5) 4 Archiv ARGE Heuschrecken Österreichs, Abfrage 21.1.2014.
5 REISCHÜTZ, P.L., Die Weichtiere (Schnecken und Muscheln) der Wild (Waldviertel). Beiträge zur Molluskenfauna Niederösterreichs, VIII. Das Waldviertel 38/1, 1989: 36-42.

Autorin: Doris Walter

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