Windkraftwerke in der Wild? Nein danke!

In der Wild © H.-M.Berg

Geht es nach den Plänen der Anliegergemeinden Göpfritz, Ludweis-Aigen und Brunn a.d. Wild sollen von den Windkraftbetreibern W.E.B. und EVN-Naturkraft 14-16 Windkraftanlagen im Großwaldgebiet der Wild errichtet werden. Das Projekt der Gemeindeväter ist in der Bevölkerung höchst umstritten und löst auch beim Bundesministerium für Landesverteidigung keine Freude aus, da von den Plänen eine Tiefflugzone des Bundesheers in unmittelbarer Nähe des TÜPL Allentsteig betroffen ist.
Der Naturschutzbund NÖ spricht sich vehement gegen die Windkraftpläne in der Wild aus. In einem ökologisch so bedeutenden Gebiet dürfen keine Windräder errichtet werden! Die Wild ist bisher ein störungsarmer, großräumig wenig erschlossener Naturraum, wie wir ihn in Niederösterreich nur mehr selten haben. Er bietet zahlreichen gefährdeten Vogelarten, insbesondere auch Arten mit großräumigen Habitatansprüchen, einen geeigneten Lebensraum. Laut Birdlife ist mit dem Auftreten windkraftsensibler Arten wie Schwarzstorch, Kornweihe und Birkhuhn zu rechnen, nach weiteren Informationen sind auch Vorkommen von Seeadler, Haselhuhn, Uhu, Raufußkauz und Ziegenmelker bekannt, für die Windkraftanlagen ebenfalls kritisch sein können. Wegen der zunächst ungenügenden Datenlage wurde von BirdLife im Rahmen der Zonierung der Windkraftnutzung in NÖ der südliche Teil der Wild nicht als Ausschlusszone aber als Vorbehaltszone definiert und eine besondere Überprüfung des Vorkommens von gefährdeten Vogelarten bei Planung von WKAs eingefordert.

Darüber hinaus zeichnet sich das Gebiet durch einen sensiblen Wasserhaushalt aus. Zahlreiche sehr unterschiedliche Feuchtlebensräume mit ihrer besonderen Flora und Fauna sind dort anzutreffen. Durch die geplante Errichtung von Windrädern und aller damit verbundener Bauten von Zufahrtswegen bis hin zu den Anlagen selbst sind Eingriffe in den Wasserhaushalt absehbar, die die vielfältigen Feuchtlebensräumen deutlich schädigen können

Reiche Natur

Einerseits wird die Wild von nicht standortgerechten Fichtenmonokulturen, andererseits von Schwarzerlenbruchwäldern, Birkensukzessionen, Mooren, wassergefüllten Bombentrichtern und Pfeifengraswiesen geprägt. Schwarzerlenbruchwälder sind vom Aussterben bedroht, da sie nur unter besonderen Standortbedingungen vorkommen. Sie benötigen anstehendes, nur wenig schwankendes Grundwasser. Die Erlenbruchwälder der Wild sind unbedingt zu erhalten, meint der Naturschutzexperte Univ.-Prof. Mag. Dr. Georg Grabherr. Die Feuchtwiesen der Region sind außerordentlich blütenreich. Zum Glück werden manche noch traditionell gepflegt, auch der Naturschutzbund NÖ führt standortgerechte Pflegemaßnahmen durch. Bislang schützen aber lediglich zwei Naturdenkmäler, „Blumau an der Wild“ (Enzianwiese) und „Ellendser Moor“, die Naturschätze der Wild. Das ausgedehnte Waldgebiet stellt einen wichtigen Wildtierkorridor dar. Nicht nur Luchse, sondern auch die Wildkatze könnten , neben anderen Säugetierarten, hier angetroffen werden.2 Durch die Großflächigkeit des Waldes sowie der umgebenden Wiesen und Äcker, gibt es keine künstlichen Lichtquellen. Dadurch besteht die – mittlerweile leider seltene – Möglichkeit, den Sternenhimmel und sogar die Milchstraße zu bewundern.

Wertvoller Wasserspeicher

Der geologische Untergrund der Wild wird überwiegend von Granuliten und Gneisen geprägt. Die Verwitterungsdecke ist relativ mächtig und lässt nur eine geringe Bodenbildung zu. Hydrographisch ist das Waldgebiet wegen der höheren Niederschläge inselartig von der Umgebung abgesetzt.3 Die Wild ist sehr wasserreich und speichert Wasser, zahlreiche Bäche entspringen hier.

Große Artenvielfalt

Aus der Wild ist das Vorkommen von ca. 90 Vogelarten bekannt. Besonders erwähnenswert sind Seeadler, Fischadler, Schwarzstorch, Uhu, Ziegenmelker, Flussregenpfeifer, Grauammer, Wachtelkönig, Haselhuhn, Birkhuhn, Waldschnepfe und Sperlingskauz. Einmal konnte ich sogar einen Dreizehenspecht beobachten. An Amphibien und Reptilien treten Europäischer Laubfrosch, Springfrosch, Grasfrosch, Moorfrosch, Erdkröte, Wechselkröte, Gelbbauchunke, Bergmolch, Teichmolch, Bergeidechse und Ringelnatter auf. Unter den hier bekannten Schmetterlingen sind Großer Feuerfalter, Labkrautschwärmer, Wegerichbär und Kamel-Zahnspinner zu erwähnen. 28 Heuschreckenarten wurden bisher in der Wild nachgewiesen. Der Edelkrebs oder Europäische Flusskrebs, dessen Bestands-, Areal- und Habitatentwicklung negativ ist, hat in der Wild reproduzierende, gesunde Bestände. Es gibt einige empfindliche Schneckenarten, deren Vorkommen auf eine geringe Umweltbelastung und gute Wasserqualität hinweisen.

Die Feuchtwiesen und feuchten Wälder beherbergen zahlreiche Pflanzenarten, beispielhaft werden erwähnt: Sumpf-Hornklee, Wasserstern, Herzblatt, Rosmarin-Kriechweide, Lorbeerweide, Sumpf-Schafgarbe, Schmalblatt-Wollgras, Scheiden-Wollgras, Frühlings-Knotenblume, Fieberklee, Eigentliches Sumpfvergißmeinnicht, Birngrün, Sumpf-Quendel, Trollblume, Echt-Färberscharte, Lungenenzian, Glanz-Wiesenraute und Sibirische Schwertlilie. Ebenfalls vertreten sind Orchideen wie Sumpf-Stendelwurz, Breitblättrige Stendelwurz, Breitblättrige Fingerwurz, Großes Zweiblatt, Grüne und Weiße Waldhyazinthe.

Ein Wald zum Verweilen

Die Wild erschließt sich nicht dem einmaligen Besucher. Auch nicht dem, der sie nur oberflächlich betrachtet. Wer aber Zeit und Muße für seine Ausflüge in die Wild mitbringt, wird von der Mannigfaltigkeit des Waldes überrascht sein. In den letzten Jahrzehnten gab es manche Pläne für die wirtschaftliche Nutzung der Wild, die glücklicherweise nicht verwirklicht worden sind. Heute ist die Wild erneut in Gefahr – diesmal durch die geplante Errichtung von Windkraftanlagen. Es bleibt zu hoffen, dass auch diese Gefährdung des bemerkenswerten Waldgebietes abgewendet werden kann.

1 GRABHERR, G., Das floristische Sondergut der Wild. Projektstudie der Abteilung für Vegetationsökologie und Naturschutzforschung. 1994/95: 81 Seiten + Anhänge.
2 Plan SUP NÖ SekROP Windkraftnutzung, Waldflächen und Wildtierkorridore, Blatt 1, Planstand 18.11.2013, Planverfasser Knollconsult Umweltplanung ZT GmbH.
3 STEPHAN, E., Das Waldviertel. Bd. 1. Naturwissenschaftliches. Verlag Deutsches Vaterland, Wien, 1925. (zit. in Reischütz5) 4 Archiv ARGE Heuschrecken Österreichs, Abfrage 21.1.2014.
5 REISCHÜTZ, P.L., Die Weichtiere (Schnecken und Muscheln) der Wild (Waldviertel). Beiträge zur Molluskenfauna Niederösterreichs, VIII. Das Waldviertel 38/1, 1989: 36-42.

Autorin: Doris Walter

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