Gefährdung

Das Ziesel gilt in Österreich nach der aktuellen "Roten Liste gefährdeter Tierarten" als stark gefährdete Art, eine Art also, bei der angenommen wird, "dass sie mit zumindest 20%iger Wahrscheinlichkeit in den nächsten 20 Jahren (oder 5 Generationen) ausstirbt.“ Aufgrund des großräumigen Verlusts geeigneter Lebensräume sind viele Kolonien geschrumpft oder wegen einer fehlenden Anbindung an benachbarte Vorkommen erloschen. Trotz der rechtlichen Situation, den gesetzlichen Verpflichtungen und den gegebenen Schutzmöglichkeiten ist das Ziesel in Österreich nach wie vor gefährdet.

Trocken- und Halbtrockenrasen und die steppenartige Wiesen- und Weidelandschaften Ostösterreichs sind durch massive Landschaftsumgestaltungen in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Damit hat das Ziesel große Teile ehemaliger Lebensräume für immer verloren und wurde auf Restlebensräume verdrängt. Dies hat zu einer Fragmentierung und in weiterer Folge zur Isolierung der Bestände geführt, sodass viele der kleinen Populationen – auch aufgrund einer möglichen genetischen Verarmung – langfristig kaum Überlebenschancen haben. Viele Vorkommen sind bereits heute erloschen.

Durch das gelegentliche Ausweichen der Tiere auf Standorte, die strukturell den Wiesen und Weiden von Steppenlandschaften ähnlich sind - wie etwa Sportrasen, Flugfelder, Grünflächen von Betriebsgeländen und Bäder - kommt es oftmals zu Konflikten mit den Nutzungsinteressen der Eigentümer.

Gefährdungen gehen heute insbesondere aus von:

  • dem Umbruch der Brachen zwecks Nutzung der Felder für Getreidebau und Ölsaaten
  • der Aufforstung von Wiesen zur Gewinnung von Hackschnitzel
  • der Aufgabe der Bewirtschaftung von Trockenrasen
  • der Zerstörung von Acker- und Wegrainen durch Schotterung und Asphaltierung
  • der infrastrukturellen Entwicklung: Bau- und Industrielandaufschließung, Autobahnen und Bundesstraßenbau
  • der regional vorkommenden Intoleranz der Bevölkerung

 

Schutzmaßnahmen

Wesentlich für den Zieselschutz ist die Sicherung und Vernetzung der Lebensräume, die das Ziesel heute besiedelt. Viele Populationen sind inzwischen so klein, dass sie – sollten keine geeigneten Maßnahmen zu ihrer Sicherung und ihrer Vernetzung mit anderen Kolonien getroffen werden – auch aufgrund genetischer Verarmung in naher Zukunft verschwinden könnten.

Je nach besiedeltem Lebensraum bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten und Notwendigkeiten für den Schutz des Ziesels an.

Lebensraum Weingarten

Ziesel in Weingärten profitieren von der als Erosionsschutz angelegten oder selbst aufkommenden, kurz gehaltenen Begrünung. Diese Art und Weise der Bewirtschaftung gilt es aufrecht zu erhalten. Weingärten mit einer Erdanhäufelung entlang der Weinreihe werden von Zieseln aber gemieden.

Ziesel besiedeln in Weingärten häufig auch Böschungen und Raine, vorausgesetzt diese sind mit kurzrasigen Wiesen bewachsen. Diese „Randstrukturen“ werden von den Tieren auch gerne zum Rückzug verwendet, wenn die Weingartenzeilen gerade frisch umgebrochen werden. Andererseits dienen Böschungen und Raine auch zur Vernetzung der Populationen.

Deshalb ist es notwendig, die Böschungen und Raine auch weiterhin zu pflegen und mindestens 2x im Jahr zu mähen, damit die rasenartigen Strukturen immer kurz bleiben und auch keinesfalls verbuschen.

Lebensraum Brache

Werden stillgelegte Ackerflächen zieselgerecht bearbeitet - also mehrmals pro Jahr gemäht bzw. gehäckselt - können sie dem Ziesel ein geeigneter Lebensraum sein. Ein geeignetes Werkzeug zur Finanzierung dieser Pflegemaßnahme bietet das Österreichische Programm für eine umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL).

Brachen sind in weiten Teilen Ostösterreichs die einzigen Rückzugsflächen für Ziesel in der intensiv ackerbaulich genutzten Kulturlandschaft. Die Tiere legen ihre Baue in kurzrasigen Brachen an und breiten sich von dort manchmal auch in die angrenzenden Ackerraine aus. Wird die Brache umgebrochen, steht die Fläche den Zieseln nicht mehr als Lebensraum zur Verfügung und die Ziesel können, falls möglich, auf eine benachbarte Fläche ausweichen oder sterben.

Deswegen ist es unabdingbar, besiedelte Zieselbrachen zu sichern, damit sie den Zieseln auch in Zukunft als Lebensraum zur Verfügung stehen.

Lebensraum Trocken- und Halbtrockenrasen

Trocken- und Halbtrockenrasen (die „Steppe“ in Österreich) sind der typische, der ursprüngliche Lebensraum der Ziesel. Ihre Pflege durch Beweidung oder Mahd ist auch für viele andere – inzwischen sehr selten gewordene Tier- und Pflanzenarten – dringend notwendig.

Der Lebensraum „Steppe“ zählt heute in Österreich zu den gefährdetsten Lebensräumen überhaupt, das Ziesel ist eines seiner prominentesten Bewohner. Nur mehr an wenigen Stellen Niederösterreichs, wie etwa im Steinfeld, kann man heute noch große, zusammenhängende Trockenrasenflächen vorfinden. Diese Flächen werden zu einem großen Teil als Flugfelder genutzt und daher abschnittsweise dauerhaft kurz gehalten oder aus Naturschutzgründen beweidet und sind daher für Ziesel sehr geeignete Habitate.

Überall sonst findet man heute überwiegendend Trockenrasen, die nicht mehr bewirtschaftet werden und daher verbuschen oder die im landläufigen Sinne als nutzloses „Ödland“ gelten und durch Baulandaufschließung in immer kleinere Trockenrasenreste aufgesplittert werden. Dabei gehen immer noch viele Ziesel zugrunde und verlieren ihren Lebensraum.

Lebensraum Acker- und Wegrand

Neben flächigen Wiesen können Ziesel auch schmale, lineare Strukturen als Lebensraum nutzen. So legen sie ihre Baue auf schmalen (50cm – 1m breiten) Weg- oder Ackerrainen an oder besiedeln geeignete Böschungen, vorausgesetzt die Wiesenstreifen sind kurzrasig und die Raine bleiben dauerhaft erhalten.

Während noch vor 30 Jahren zahlreiche dicht von Zieseln besiedelte Wiesenwege existierten, gehören die heute noch besiedelten Raine in der Intensivackerlandschaft zu den gefährdetsten Ziesellebensräumen überhaupt. Immer mehr landwirtschaftliche Wege werden verbreitert, geschottert und asphaltiert, wobei die Raine oft zur Gänze zerstört werden.

Die Erhaltung und Pflege (zweimalige Mahd) der letzten verbliebenen Ziesel-Raine ist daher das Gebot der Stunde, der fortschreitenden Verbreiterung und Schotterung der verbliebenen Feldwege sollte Einhalt geboten werden.

Lebensraum Golfplatz, Sportplatz und Gewerbegebiet

Mancherorts hat das Ziesel gelernt, vom Menschen geprägte Ersatzflächen anzunehmen, die mit ihren kurzrasigen Wiesen und tiefgründigen und grabfähigen Böden die Bedingungen bieten, die es braucht.

Auf diesen Flächen kommt das Ziesel oft in engen Kontakt mit dem Menschen. Meist ist das Ziesel ein gern gesehener Gast, der mit seinem „Männchenmachen“ und den herzigen Jungen etwa den Badeaufenthalt auch noch zu einem Naturerlebnis macht. In manchen Fällen gibt es aber auch Konflikte. Daher gilt es, Wege zu finden, die ein Nebeneinander von Mensch und Tier ermöglichen. Nicht immer sind Lösungen einfach; ein guter Beginn ist es aber jedenfalls, fachlichen Rat einzuholen.

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