Das Europäische Ziesel (Spermophilus citellus)

Das Ziesel ist ein gelb-braun-graues, mittelgroßes Nagetier aus der Familie der Hörnchen, zu der auch das heimische Eichhörnchen und das Alpenmurmeltier gehört. Das Ziesel misst ohne den dicht behaarten, rund 5-7 cm langen Schwanz rund 20 cm. Je nach Jahreszeit wiegt es zwischen 200 bis 430 Gramm.
 
Ziesel © Hans Glader
Europäische Ziesel leben in Kolonien und sind tagaktive Bodentiere. Die bis zu 1,5 m tiefen, selbst gegrabenen Erdbaue werden im Allgemeinen von einem adulten Tier oder einem Weibchen mit ihren Jungen bewohnt. Die Eingänge zu den Zieselbauen sind 5-7 cm große, kreisrunde bis ovale Löcher, die in lockeren Gruppen angeordnet sind. Die Ziesel verlassen vor allem in den späteren Vormittags- und Nachmittagsstunden die Höhlen- und Bausysteme, um auf Nahrungssuche zu gehen. Bei Regen bleiben die Tiere generell in den Bauen. Auch zu sehr heißen Tageszeiten sind sie kaum an der Oberfläche zu sehen.
 
Die Nahrung besteht vor allem aus grünen Pflanzenteilen, Blüten und Samen, je nach Angebot ergänzen sie ihren Speiseplan mit Wurzeln, Knollen und Zwiebeln. Daneben werden auch kleinere wirbellose Tiere, vor allem Käfer und Raupen, nicht verschmäht.
 
Das Ziesel überdauert den Winter schlafend. Es legt keine Wintervorräte an wie etwa der Feldhamster (Cricetus cricetus). Zur Vorbereitung des von Oktober bis etwa März andauernden Winterschlafes baut es körpereigene Fettdepots auf, indem es die Nahrungsaufnahme im Sommer intensiviert. Schon nach dem ersten Winterschlaf werden die Weibchen geschlechtsreif und können ab diesem Zeitpunkt jährlich 2 bis 10 Jungtiere zur Welt bringen.
 
Charakteristisch ist das "Männchen-Machen", das den Tieren eine bessere Übersicht gibt und das rechtzeitige Erkennen von Gefahren, z.B. von herannahenden Fressfeinden ermöglicht. Bei Gefahr geben die Tiere ihre typischen "Pfiffe"
 

Verbreitung des Ziesels in Österreich

Das Ziesel kommt heute nur noch in wenigen Teilen Mitteleuropas, im südlichen Osteuropa, im europäischen Teil der Türkei und in Teilen des Balkans vor. In Polen und im Erzgebirge versucht man, die Art wieder anzusiedeln. Die Verbreitung in Österreich beschränkt sich auf das Pannonische Tief- und Hügelland.

Aktuelle Vorkommen des Ziesels in Österreich reichen vom östlichen Waldviertel bis ins Mittelburgenland. Hier waren Ziesel früher weit verbreitet. Zahlreiche Orts- und Flurnamen, wie Zeiselmauer, Zeiserlberg oder Zeisel-Au zeugen davon. Man fand die Tiere vom östlichen Waldviertel über das Weinviertel, das Tullner Feld und das Wiener Becken bis an die Randlagen des Wienerwaldes in so großer Zahl, dass regional sogar so genannte „Schwoaferlprämien“ für jedes vernichtete Ziesel ausbezahlt wurden, um dem „Schädling“ Herr zu werden.

Lebensräume

© Helmut Höttinger

Ziesel bewohnen wiesenartige Lebensräume, in denen die Grasvegetation das ganze Jahr über kurz gehalten, sprich gemäht oder – wie früher – beweidet wird. Nachdem im Verbreitungsgebiet des Ziesels kaum mehr Wiesen und Weiden zu finden sind, bewohnt es heute gehäckselte und gemulchte Weingärten, wiesenartige Raine und Böschungen, verschiedene – meist als Flugfelder genutzte – Trockenrasen, und vor allem eine große Anzahl an Brachen, die den Tieren zumindest teilweise die verloren gegangenen Weiden ersetzt haben. Außerdem hat es das Ziesel auch gelernt, neue – vom Menschen geprägte – kurzrasige Lebensräume anzunehmen, wie etwa Golfplätze, Sportrasen, Liegewiesen von öffentlichen Bädern sowie Kasernen- und Fabriksgelände.

Ziesel sind demnach heute in den folgenden 5 Hauptlebensräumen zu finden:

Lebensraum Trockenrasen
Als Trockenrasen werden hier (Mager-)Wiesen auf Trocken- oder Halbtrockenstandorten bezeichnet, die durch ihre geringe jährliche Niederschlagsmenge, ihre Bodenbeschaffenheit, die Gehölzfreiheit und eine typische Pflanzenwelt wie etwa dem Federgras, der Heidenelke, der Kugelblume, der Zwergiris u.v.a.m. charakterisiert sind.
 
Früheren Untersuchungen zufolge werden Trockenrasen oft als typische und gelegentlich sogar als die idealen Lebensräume für Ziesel dargestellt. Auch heute haben die „Steppen“ Österreichs nichts an ihrer Bedeutung als Ziesellebensraum eingebüßt, vorausgesetzt, dass die Trockenwiesen auch gepflegt, sprich gemäht oder beweidet werden.
 
Die größten Steppenwiesen Niederösterreichs befinden sich im Steinfeld, wo die Ziesel vor allem die großen Flugfelder, deren Start- und Landebahnen dauerhaft kurz gehalten werden, sowie die Federgraswiesen von (beweideten) Naturschutzgebieten besiedeln. Außerdem sind Ziesel, allerdings nur lokal und in geringerer Dichte, auf den militärischen Truppenübungs- und Schießplätzen zu finden.
 
Werden die Trockenrasen allerdings nicht mehr bewirtschaftet, wie heute vielerorts zu beobachten, werden die Wiesen hochrasig und verbuschen. Dann können Ziesel die Flächen nicht mehr bewohnen und verschwinden.
Früheren Untersuchungen zufolge werden Trockenrasen oft als typische und gelegentlich sogar als die idealen Lebensräume für Ziesel dargestellt. Auch heute haben die „Steppen“ Österreichs nichts an ihrer Bedeutung als Ziesellebensraum eingebüßt, vorausgesetzt, dass die Trockenwiesen auch gepflegt, sprich gemäht oder beweidet werden.
Die größten Steppenwiesen Niederösterreichs befinden sich im Steinfeld, wo die Ziesel vor allem die großen Flugfelder, deren Start- und Landebahnen dauerhaft kurz gehalten werden, sowie die Federgraswiesen von (beweideten) Naturschutzgebieten besiedeln. Außerdem sind Ziesel, allerdings nur lokal und in geringerer Dichte, auf den militärischen Truppenübungs- und Schießplätzen zu finden.
Werden die Trockenrasen allerdings nicht mehr bewirtschaftet, wie heute vielerorts zu beobachten, werden die Wiesen hochrasig und verbuschen. Dann können Ziesel die Flächen nicht mehr bewohnen und verschwinden.
 
Lebensraum Wiese und Brache
Zu den Wiesenlebensräumen zählen (fettwiesenartige) Wiesen, Brachen und Weiden, wobei der Hauptanteil der Zieselvorkommen auf Brachen zu finden ist. Diese liegen oft auf Grenzertragsstandorten in Hang- oder Kuppenlagen und sind dann häufig von Weingärten umgeben.
In Intensivagrarlandschaften sind Brachen oft die einzigen Rückzugsflächen für Ziesel.
 
Lebensraum Weingarten
Sowohl klein strukturierte Weingärten, die durch offene, nicht verbuschte und kurzrasige Böschungen, Wiesenwege und Feldraine gegliedert sind, als auch strukturarme, homogene, große Weingartenareale werden von Zieseln als Lebensraum angenommen. Von großer Bedeutung für die Ziesel ist die Begrünung der Weingärten sowie eine ausreichende Pflege der Böschungen. Außerdem ist das Nebeneinanderliegen von Weingarten- und Brachflächen günstig.
 
Lebensraum Weg- und Ackerrain
Als Randlebensräume werden Weg- und Ackerraine sowie Böschungen in der Intensivagrarlandschaft verstanden, entweder in ebener oder (in seltenen Fällen auch) in Hanglage. Die Raine liegen meist an den Rändern von Feldwegen, sehr selten – und dann meist schon in stark degenerierter, reduzierter Form – an den Rändern von Schotterwegen oder kleinen Asphaltstraßen. Die fortschreitende Schotterung und Asphaltierung von Wiesen- und Feldwegen hat in den letzten Jahren zu starken Verlusten von Wegrandpopulationen des Ziesels geführt, eine Entwicklung, die immer noch anhält.
 
Lebensraum Golfplatz, Sportplatz und Gewerbegebiet
Verschiedene Rasentypen, die stark anthropogen beeinflusst sind, wie die Rasenflächen in öffentlichen Bädern und Parks, Sport- und Spielplatzrasen, Rasen- und Wiesenflächen auf Golfplätzen, in und um Industrieanlagen, um Ölförderstellen, um Gaswerke und in Umspannwerken, sowie auch die Böschungen von Schießplätzen u.v.a.m. werden von Zieseln als Ersatzlebensräume angenommen.
Diese Lebensräume sind zunehmend zu Rückzugsgebieten für Ziesel geworden. Sie sind oft sehr dicht von Zieseln besiedelt, weisen in den meisten Fällen aber nur eine geringe Ausdehnung auf und ihre zukünftige Entwicklung ist oft nicht vorhersehbar.

 

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